Die Nachhallzeit T ist die Zeit, in der der Schallpegel in einem Raum nach dem Abschalten einer Schallquelle um 60 dB abfällt. Sie ist das wichtigste Maß für die Halligkeit und wird pro Oktav- oder Terzband angegeben.
Herkunft: Der Begriff wurde durch die raumakustischen Untersuchungen von Wallace Clement Sabine Ende des 19. Jahrhunderts geprägt.
Anwendung: Die Nachhallzeit entscheidet über Sprachverständlichkeit und Musikeindruck. Sprache braucht kurze, Musik längere Zeiten. Normen nennen Sollwerte je nach Nutzung und Volumen. Gemessen wird mit Rauschen oder einem Impuls, oft nur über einen Abfall von 20 dB, der auf 60 dB hochgerechnet wird.
Beispiel: Für Seminarräume und kleinere Hörsäle gelten Werte über 1 s als problematisch. Ein Büro mit 1,5 s wurde als kaum benutzbar beschrieben.
Bezug zur Planung: Die Nachhallzeit sollte bereits im Wettbewerb und im Entwurf geprüft werden, nicht erst nach der Fertigstellung. Ausschlaggebend ist das Volumen. Hohe Räume, etwa im Altbau, und Klassenzimmer mit harten Oberflächen hallen trotz kleiner Grundfläche stark. Bei minimalistischen Oberflächen aus Glas, Stein und Sichtbeton schaffen Deckensegel und Wandpaneele Abhilfe. Auch Videokonferenzen und Geräuschunterdrückung funktionieren in halligen Räumen schlecht.
Typische Missverständnisse: Die alte Faustregel, kleine Räume bräuchten keine Raumakustik, stimmt nicht mehr. Ebenso wird oft vergessen, dass die Nachhallzeit von der Besetzung abhängt. Ein voller Hörsaal klingt anders als ein leerer. Gepolsterte Stühle halten die Nachhallzeit in Theatern und Kinos fast unabhängig von der Zahl der Besucher.
Verwandte Begriffe: Sabine-Formel, Äquivalente Schallabsorptionsfläche, Schallabsorptionsgrad
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