Ein Staubsauger läuft im Hörsaal, einmal in 1 m, einmal in 10 m Abstand vom Messgerät, und zwischendurch wird nur der leere Saal gemessen. Am Ende stehen zwei Zahlen: ein Gesamtpegel ohne Bewertung und einer in dB(A). Dazwischen liegt eine Rechnung, die alle Grundregeln des Rechnens mit Pegeln an einem Beispiel zeigt.
Die erste Übung im Technischen Ausbau bei Matthias Schuß (TU Wien) verlangt genau diesen Weg. Die Zahlen in diesem Beitrag sind neutrale Beispielwerte, keine Abgabedaten.
Warum dreimal gemessen wird
Eine einzelne Messung kann zufällig günstig oder ungünstig ausfallen. Deshalb wird jede Situation dreimal gemessen, jeweils in mehreren Frequenzbändern. Das Messgerät zerlegt den Schall in Oktavbänder, etwa von 31,5 Hz bis 16 000 Hz, und gibt für jedes Band einen äquivalenten Dauerschallpegel aus.
Drei Situationen ergeben drei Spektren: das Grundgeräusch des Saals, der Staubsauger nah und der Staubsauger fern. Das Grundgeräusch ist wichtig, weil es zeigt, ob die Quelle überhaupt deutlich darüber liegt.
Energetisch mitteln statt rechnen wie gewohnt
Die drei Messwerte eines Bandes werden zu einem Mittelwert zusammengefasst. Dabei gilt dieselbe Regel wie bei der Pegeladdition: Dezibel werden nie direkt gemittelt. Jeder Wert wird zuerst in Energie umgerechnet, die Energien werden gemittelt, das Ergebnis wird wieder logarithmiert.
$$L_m = 10 \cdot \lg \left[ \frac{1}{n} \sum_{i=1}^{n} 10^{L_i/10} \right]$$
Ein Beispiel bei 500 Hz mit den Werten 62,0 dB, 65,0 dB und 63,5 dB:
- \(10^{6{,}20} = 1{,}585 \cdot 10^6\)
- \(10^{6{,}50} = 3{,}162 \cdot 10^6\)
- \(10^{6{,}35} = 2{,}239 \cdot 10^6\)
- Summe \(6{,}986 \cdot 10^6\), geteilt durch 3 ergibt \(2{,}329 \cdot 10^6\)
- \(10 \cdot \lg(2{,}329 \cdot 10^6) = 63{,}7\) dB
Das arithmetische Mittel wäre 63,5 dB. Der energetische Mittelwert liegt höher, weil der lauteste Wert mehr Energie beiträgt. Je stärker die Messungen streuen, desto größer wird der Unterschied.
Wie die A-Bewertung das Spektrum verschiebt
Die A-Bewertung passt jedes Band an die Empfindlichkeit des Ohrs an. Auf der Dezibel-Skala wird dazu ein Korrekturwert addiert. Tiefe Bänder werden stark abgesenkt, bei 125 Hz um 16,1 dB, bei 500 Hz um 3,2 dB. Bei 1000 Hz ist die Korrektur null, bei 4000 Hz kommt 1,0 dB hinzu. Aus 63,7 dB bei 500 Hz werden so 60,5 dB(A).
[Abbildung: Spektrum eines Staubsaugers, unbewertet und A-bewertet übereinander, mit den Korrekturwerten pro Band.]
Vom Spektrum zum Gesamtpegel
Der Gesamtpegel entsteht durch energetische Summe über alle Bänder. Ein vereinfachtes Beispiel mit drei Bändern zeigt den Unterschied zwischen beiden Werten:
- 125 Hz: 60 dB, A-bewertet 43,9 dB(A)
- 1000 Hz: 55 dB, A-bewertet 55,0 dB(A)
- 4000 Hz: 50 dB, A-bewertet 51,0 dB(A)
Unbewertet ergibt die Summe \(10 \cdot \lg(10^{6{,}0} + 10^{5{,}5} + 10^{5{,}0}) = 61{,}5\) dB. A-bewertet ergibt sie \(10 \cdot \lg(10^{4{,}39} + 10^{5{,}50} + 10^{5{,}10}) = 56{,}7\) dB(A). Der lineare Wert wird vom lautesten, tiefen Band bestimmt. Im A-bewerteten Wert dominiert das Band bei 1000 Hz, weil das tiefe Band stark abgeschwächt wird.
Daraus folgt eine allgemeine Einsicht. Eine Quelle mit viel tieffrequenter Energie erscheint in dB(A) deutlich leiser als in unbewerteten Dezibel. Für die Beurteilung von Bauteilen gegen tieffrequenten Lärm reicht der A-bewertete Einzahlwert deshalb nicht aus.
Was Grundgeräusch und Abstand verraten
Der Vergleich der drei Situationen prüft die Messung selbst. Liegt die Quelle in einem Band kaum über dem Grundgeräusch, misst das Gerät dort vor allem den Saal. Der Abstand zeigt, wie stark der Pegel abnimmt. Im Freien wären es bei einer punktförmigen Quelle 20 dB von 1 m auf 10 m. Im geschlossenen Raum nimmt der Pegel weniger ab, weil Reflexionen von Wänden und Decke hinzukommen.
Für die Rechnung mit dem Taschenrechner lohnt sich eine eigene Funktion für die energetische Summe. Wer sie einmal angelegt hat, rechnet jede weitere Liste von Pegeln in einem Schritt.
Zusammenfassung
Aus drei Messungen pro Band wird zuerst ein energetischer Mittelwert gebildet, nicht ein arithmetischer. Die A-Bewertung verschiebt jedes Band um einen festen Korrekturwert und senkt tiefe Frequenzen stark ab. Die energetische Summe über alle Bänder ergibt den linearen und den A-bewerteten Gesamtpegel, die sich bei tieffrequenten Quellen deutlich unterscheiden.