Orientierung und Licht: Himmelsrichtungen, Eingänge und Kaiserachse

Ein Tempel ist selten zufällig ausgerichtet. Die Ausrichtung nach Sonne und Gelände entscheidet darüber, wo der Eingang liegt, welche Achse wichtig ist und wer den Raum betreten darf. Der Beitrag verfolgt diese Fragen anhand von Himmelsrichtungen, Licht und Eingang.

Die Himmelsrichtungen

Erich Lehner ordnet den Himmelsrichtungen Bedeutungen zu. Im Norden wohnen die Götter und liegen die Berge, im Süden das Meer und die Fruchtbarkeit. Der Osten bringt den Sonnenaufgang, der als bester Tag gilt, der Westen den Sonnenuntergang als schlechtesten. Der Nordosten gilt als Ort des höchsten Potenzials, Tempel auf der Ostseite sind höher als auf der Westseite. Das sind Deutungen, die im Literaturabgleich nicht geprüft sind [prüfen].

Die Ausrichtung ist nicht nur theoretisch. Eine Gegenüberstellung vergleicht den Stephansdom in Wien mit dem Dom von Wiener Neustadt. Der Wiener Stephansdom ist nach Südosten orientiert, der Dom von Wiener Neustadt nach Nordosten [Abbildung: Folie 04-T4, S. 51–53]. Die Orientierung nach dem Sonnenaufgang ist damit im Bestand belegt.

Licht, Symmetrie und Eingang

Eine Symmetrieachse verläuft im 12. Jahrhundert nicht durch den Haupteingang, sondern versetzt zu ihm. Das wird als Ordnung des Innenraums gedeutet [prüfen]. Gegenüberstellungen zeigen dasselbe Problem: Ein Eingang stört die perfekte Symmetrie eines Raumes. Scheinbare Symmetrie entsteht durch Treppen und Portale an allen vier Seiten.

Der Turm im Westen dient nach dieser Deutung der Abwehr böser Geister. Der Westen ist zugleich die Wetterseite, von dort kommen Sturm und Regen. Der Haupteingang bleibt meist verschlossen und öffnet sich nur zu Festen, etwa zu Hochzeiten.

Die Kaiserachse

In der Verbotenen Stadt in Peking führt die Mittelachse über die großen Hallen, darunter die Halle der höchsten Harmonie. Die Achse war dem Kaiser vorbehalten. Er wurde in einer Sänfte getragen und überquerte die Achse, während niemand sonst sie betreten durfte. Pothorn beschreibt die Stadt heute als Museum (Pothorn, S. 166). Die Hallennamen sind ergänzt [prüfen].

Offene Frage

Orientierung ordnet den Raum, Licht und Eingang machen die Ordnung erlebbar. Wie viel der Ausrichtung bleibt, wenn eine Stadt sich nicht mehr an der Sonne orientiert?

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