In vielen Wohnungen aus den 1980er-Jahren gab es kaum Beschwerden über Nachbarn, die zu laut gingen. Mitte der 1990er-Jahre wurde renoviert, Teppich wich Fliesen. Plötzlich hörten die Bewohner darunter jeden Schritt. Die Ursache lag nicht im neuen Belag allein. Er machte Mängel hörbar, die der Teppich jahrelang verdeckt hatte.
Trittschall ist ein eigenes Kapitel der Bauakustik. Matthias Schuß (TU Wien) behandelt ihn als Körperschall, der nicht über die Luft, sondern direkt im Bauteil entsteht.
Wie Trittschall gemessen wird
Trittschall ist Körperschall, der durch Gehen, Springen oder Stöße auf eine Decke entsteht und im Raum darunter abgestrahlt wird. Gemessen wird er nicht mit Schritten, weil jeder Mensch anders geht. Ein Normhammerwerk lässt Gewichte mit konstanter Frequenz aus definierter Höhe fallen. Gemessen wird der Pegel im Raum darunter.
Der Norm-Trittschallpegel beschreibt diesen Pegel, bezogen auf eine Standard-Absorption des Empfangsraums. Wie beim Schalldämm-Maß entsteht daraus ein Einzahlwert. Eine Bezugskurve wird verschoben, bis die Überschreitungen im Mittel höchstens 2 dB betragen, abgelesen wird bei 500 Hz. Im Unterschied zur Luftschalldämmung gilt hier: je niedriger der Wert, desto besser. Heute übernimmt eine Akustiksoftware diese Auswertung.
Die Grenzwerte stehen in der OIB-Richtlinie 5. Unter Aufenthaltsräumen werden 48 dB genannt, unter Terrassen 53 dB, weil eine Terrasse nachts seltener genutzt wird [prüfen]. Die Werte beschreiben Zumutbarkeit, nicht Unhörbarkeit. Viele Nachbarschaftsbeschwerden betreffen Geräusche unter dem Grenzwert.
Warum der Estrich schwimmen muss
Ein schwimmender Estrich ist eine Estrichplatte, die auf einer Trittschalldämmung liegt und weder mit der Rohdecke noch mit den Wänden starr verbunden ist. Er bildet ein Masse-Feder-System: Der Estrich ist die Masse, die Dämmlage die Feder, die Rohdecke die zweite, sehr schwere Masse. Er senkt den Trittschall deutlich, vor allem bei höheren Frequenzen.
Seine Resonanzfrequenz lässt sich vereinfacht berechnen. Weil die Rohdecke viel schwerer ist als der Estrich, fällt sie aus der Formel des Plattenschwingers heraus:
$$f_0 \approx 160 \cdot \sqrt{\frac{s'}{m'}}$$
Die dynamische Steifigkeit s′ ist die Federsteifigkeit der Dämmlage pro Fläche, \(s' = E_{dyn} / d\) in MN/m³. m′ ist die flächenbezogene Masse des Estrichs. Die Zahl 160 statt 2π ergibt sich aus den Einheiten. Ziel ist eine möglichst tiefe Resonanzfrequenz. Stellgrößen sind die Estrichdicke und die Wahl der Dämmlage. Übliche Dämmstoffe sind expandiertes Polystyrol, Steinwolle und Glaswolle, möglich sind auch Schüttungen.
[Abbildung: Schnitt durch Rohdecke, Trittschalldämmung, Estrich und Belag mit Randdämmstreifen an der Wand.]
Ausführungsfehler, die alles zunichtemachen
Das Prinzip ist einfach, die Ausführung nicht. Jede starre Verbindung zwischen Estrich und Rohbau wirkt als Schallbrücke. Der Randdämmstreifen trennt den Estrich von den Wänden. Wird er abgeschnitten, bevor Fliesen und Sockel fertig sind, oder überbrückt ein Fliesenleger die Fuge mit Kleber, ist die Entkopplung verloren.
Weitere Fehlerquellen liegen unter dem Estrich. Leitungen und Rohre werden oft in die Trittschalldämmung geschnitten. Besser ist eine Ausgleichsschüttung, auf der die Dämmung in voller Stärke liegt. Türzargen mit eingegossenen Querstegen oder Estrich, der zwischen eine lose Schüttung rinnt, schaffen ebenfalls Brücken. Ein historisches Beispiel ist eine Schüttung aus Körnern aus den 1960er-Jahren, die an schlechten Randanschlüssen scheiterte.
Holzböden brauchen zusätzlich Bewegungsfugen, weil sie mit dem Raumklima arbeiten. Viele kleine Fehler summieren sich. Im schlimmsten Fall muss der gesamte Boden erneuert werden.
Was ein Teppich verdeckt
Ein Teppich verbessert den Trittschallschutz und die Raumakustik erheblich. Darin liegt eine Falle. Weil er als entfernbarer Belag gilt, darf er im Nachweis nicht angerechnet werden. Die Wohnbauten der 1980er-Jahre funktionierten, solange der Teppich der Erstausstattung lag. Mit Fliesen zeigten sich die schlechten Wandanschlüsse.
Auch die Raumakustik ändert sich. Ein Teppich bietet viel äquivalente Absorptionsfläche. Ohne ihn wird ein Raum halliger, und dieselben Geräusche wirken lauter.
Zusammenfassung
Trittschall wird mit einem Normhammerwerk angeregt und als Norm-Trittschallpegel im Raum darunter bewertet, wobei niedrige Werte gut sind. Der schwimmende Estrich dämmt als Masse-Feder-System, dessen Resonanzfrequenz von Estrichmasse und Dämmlage abhängt. Seine Wirkung steht und fällt mit der Ausführung, vor allem mit Randdämmstreifen und Leitungsführung.